10 Jahre Konzertsucht

10 Jahre Konzertsucht
Zwischen Bühnenlicht und Backstage-Ruhe.
Zwischen Tourlaub und Vollzeitjob.
Zwischen Autobahn und Zuhause.

10 Jahre Konzertsucht

793 Konzerte

833 Bands

143.026 km

549.872 Fotos gespeichert

58.224 Fotos bearbeitet


Ein Jahrzehnt Konzertsucht

Ein Jahrzehnt, festgehalten in 549.872 Fotos. Ein Jahrzehnt klingt nach einer ganz schön langen Zeit.
2014 fing ich nach dem Abitur an, meine freie Zeit immer mehr auf Konzerten und Festivals zu verbringen. Ich fand diese Musikwelt damals ganz schön faszinierend und dachte, wie gerne ich ein Teil davon wäre – nur die richtige Aufgabe für mich war noch nicht sofort klar.


2015 war ich das erste Mal als Helferin beim Green Juice Festival in Bonn dabei, habe Merch verkauft und beim Auf- und Abbau geholfen. Alles begann mit ein paar Konzertberichten und einer furchtbar schlechten Digitalkamera. Unerwartet kam das gut an, und so gab es einen einschneidenden Moment beim Blackout-Problems-Konzert im Oktober 2015 im Underground in Köln: Am nächsten Tag erstellte ich die Webseite Konzertsucht. Anfang 2016 kaufte ich mir meine erste Systemkamera und fotografierte die ersten Konzerte und Festivals für meinen Blog, für Bands und Veranstaltende. Was als Blog begann, entwickelte sich nach einiger Zeit zu einem reinen Foto- und Videoprojekt.


2018 lernte ich auf einem Festival die Band Radio Havanna kennen, die mich kurzerhand mit auf Tour nahm und mir ihr vollstes Vertrauen schenkte. Mit dieser Band ging es 2019 dann auch als Support von ZSK auf Tour. 2022 kam schließlich eine Anfrage von Joshi für ein Tourwochenende in Wiesbaden und Saalfeld. Als sich herausstellte, dass ich mittlerweile in Berlin lebe und meine Bilder ganz gut ankamen, war ich plötzlich mit an Bord.

 

Leider muss man aber auch sagen: So aufregend das am Anfang alles war, so sehr hat es in der Vielzahl mittlerweile seinen Zauber verloren. Aufgeregt vor einer Show bin ich nur noch sehr, sehr selten. Selbst bei Rock im Park und Rock am Ring dieses Jahr hat sich dieses Gefühl kaum eingestellt – auch irgendwie ein bisschen schade. Für mich macht es beim Rumhüpfen auf der Bühne keinen Unterschied mehr, ob da unten 100 oder 10.000 Menschen stehen. Für mich unterscheiden sich hauptsächlich die Gegebenheiten der Location und was sich daraus fotografisch inszenieren und einbauen lässt.

 

Am Anfang ging es mehr darum, viel mitzunehmen und möglichst große, bekannte Acts zu fotografieren, um Fuß in der Szene zu fassen. Doch das ist auf Dauer ziemlich zermürbend und nimmt einem den Spaß an der kreativen Arbeit. Mittlerweile ist es mir nur noch wichtig, dass sich die Jobs für mich richtig und stimmig anfühlen. Dass ich mich selbst dabei nicht vernachlässige und überarbeite. Meinem Herzen folge. Nein sagen kann. Nur noch Herzprojekte mache und meine eigenen Grenzen nicht überschreite. Das gibt einem ein viel besseres, erfüllenderes Gefühl – und so würde ich es auch jedem anderen in der Szene raten.


Ich hätte zu Beginn niemals gedacht, dass ich mal mit Royal Republic zusammen bei dem Open Air der Ärzte sein würde oder mal mit einer Band fest auf Tour gehe und über 100 Shows abreiße. Wenn man einfach sein Ding macht und gar nicht viel drüber nachdenkt, kann sowas aber plötzlich ganz schnell passieren.

Zurück auf die Straße und in die Clubs

Wie ging es also nach dem 5. Geburtstag von Konzertsucht, dem „verflixten 2020“ und nach der Pandemie weiter?


Die Branche brauchte noch eine Weile, um wieder mit dem Betrieb an den Start zu gehen, und es gab – wie ihr alle wisst – noch den ein oder anderen Lockdown. Und dazwischen kam ich auf den spontanen Einfall, nach Berlin zu ziehen. In die Stadt, die ich immer so hasste. Raus aus der Komfortzone. Neustart. Ab 2022 plötzlich mit ZSK auf Tour gehen. 2024 dann den Abschied von Radio Havanna feiern und betrauern.


Und was hat sich in der Zeit verändert? Es war gar nicht einfach, sich nach der Pandemie wieder zwischen vollen Clubs und schwitzenden Menschen wohlzufühlen. Zwei Mal kam ich von Tour auch mit Corona nach Hause. Gefühlt gehen Menschen auch dieses Jahr seit der Pandemie weniger auf Konzerte und hören wohl generell weniger Punk und Gitarrenmusik. Die Kosten und Ticketpreise sind überall gestiegen, und das Publikum lässt sein Geld bei wenigen großen Festivals und Konzerten, wodurch weniger für kleinere Konzerte übrig bleibt. Alles hat sich verschoben, und die Auswirkungen sind immer noch spürbar. Ich glaube nicht, dass der unbeschwerte und hohe Konzertkonsum von vor der Pandemie noch einmal zurückkommt.

Wachstum & Wandel – Konzertsucht 2.0

An meiner Musikstilrichtung hinsichtlich des Tourings mit Bands hat sich eigentlich kaum etwas verändert, dafür aber an meinem eigenen Stil der Bildbearbeitung und an meiner Konzertauswahl. Ich konzentriere mich nur noch auf ausgewählte Bands und routiniertes Touring, anstatt alleine durch die Republik zu turnen oder viel Masse abzuarbeiten. Ich fokussiere mich lieber auf Herzprojekte.


Bei der Bildbearbeitung setze ich nicht mehr auf flache, matte Kontraste, sondern lieber auf mehr Klarheit und Flächenabgrenzung. Privat höre ich seit der Pandemie fast nur noch Indie-Musik und weniger laute Genres. Auch hier setze ich auf mehr Entspanntheit.


Eine neue Kamera gab es seit 2019 nicht mehr, das letzte neue Objektiv dann Ende 2021. Dieses Jahr kam noch ein neuer Blitz dazu – allerdings das gleiche Modell, da einer defekt war. Ansonsten hat sich am Equipment nichts verändert. Für Rock im Park und Rock am Ring hatte ich kurzzeitig mal die Sony a7R V als Mietkamera im Einsatz. Wenn Sony dann endlich endlich mal die Sony a7 V rausbringt, ändert sich daran vielleicht etwas. Aber Sony lässt da schon seit drei Jahren auf sich warten.


An meinem Workflow hat sich im letzten und diesem Jahr geändert, dass ich hauptsächlich auf Apple-Geräte umgestiegen bin und mir einen eigenen Server zugelegt habe, über den ich nun alle Fotos und Videos an einem Ort gesammelt verwalten kann – statt alles über sechs verschiedene Festplatten und zwei PCs verstreut wiederzufinden.

10 Jahre – 10 Highlights

  1. 2018 Keller-Kaos mit den Blackout Problems als intensivstes, schönstes, intimstes, heißestes Konzert überhaupt bei mir zu Hause
  2. 2018 Utopia-Tour mit Radio Havanna und endlich ein fester Bestandteil einer Tour-Crew werden
  3. 2023 Japan-Tour mit ZSK und das erste Mal Europa verlassen
  4. 2019 Reeperbahn-Festival mit meinem Rekord von 49 fotografierten Shows in 4 Tagen

  5. 2016-2019 Green Juice Festivals als Festival-Fotografin begleiten und erste Erfahrungen in der Konzertfotografie sammeln

  6. 2019 Palladium mit KMPFSPRT und Blackout Problems und somit gleich zwei Mal hintereinander mein selbstgestecktes Ziel erreichen

  7. 2025 Rock am Ring und Rock im Park mit ZSK und somit ebenfalls eins meiner Ziele erreichen

  8. 2022 mit Royal Republic und 2024 mit Shirley Holmes bei Die Ärzte und somit die größten Shows mit 60.000 Menschen fotografieren

  9. 2020 ein eigenes Fotobuch entwerfen & meinen Shop entwickeln

  10. 2024 Europa-Tour mit Seven Blood und das erste Mal zweieinhalb Wochen am Stück auf Nightliner Tour sein

Was Konzertfotografie heute für mich bedeutet

Warum ich das immer noch mache, obwohl ich oft ganz schön müde bin und wenig Zeit für Privates bleibt? Ganz einfach: Ich liebe es, Erinnerungen für später festzuhalten. Durch die letzten Jahre zu scrollen und all diese Momente erneut fühlen zu können. Auch wenn sich mein Blick auf Musik und Konzerte verändert hat und alles entromantisiert erscheint, gibt mir das Fotografieren den notwendigen Ausgleich und erfüllt mich mehr als alles andere. Trotzdem kommt es mir so vor, als wäre ich mal mehr dabei und ein Teil der Geschichte gewesen – heute fühle ich mich mehr als Beobachterin mit dem Blick von außen. Ich dokumentiere mehr, als die Geschichte mitzuschreiben.

 

Schwierig in Worte zu fassen, wie sich die emotionale Verbindung zum Fotografieren und die eigenen Sichtweisen gewandelt haben – aber sie sind definitiv nicht mehr dieselben.

Konzertsucht heute

Konzertsucht ist heute ruhiger geworden. Weniger laut, weniger schnell. Weniger Geschehen auf der Webseite, mehr kurze Einblicke auf Instagram. Mehr Arbeit hinter den Kulissen, für Bands, für andere – und weniger für mich selbst. Ich fotografiere seltener für meinen eigenen Feed, dafür gezielter und bewusster. Keine Side-Projekte mehr wie Hochzeiten, Firmen- oder Porträtshootings. Dafür mehr Touring, mehr Fokus, mehr Struktur.

 

Konzertsucht fühlt sich inzwischen weniger nach einer Bühne und mehr nach einem festen Bestandteil meines Alltags an. Kein lautes „Schaut mal, was ich mache“ mehr, sondern ein stilles „Ich bin da – und ich mach’s, weil ich’s liebe“. Es ist nicht weniger Leidenschaft, nur anders verteilt. Ruhiger. Vielleicht auch ein Stück erwachsener. Und damit fühle ich mich sehr wohl.

Blick nach vorn

Ehrlich gesagt gibt es aktuell hinsichtlich Konzertsucht keine Ziele mehr für mich. Ich habe alle meine Ziele in der Konzertfotografie erreicht. Ich lasse mich nur noch treiben. Ob es Konzertsucht in zehn Jahren noch gibt? Wer weiß. Auf jeden Fall möchte ich auch im nächsten Jahr wieder beim Farewell Youth Fest in Dresden dabei sein und dieses tolle Format unterstützen, in dem ich ganz frei arbeiten kann. Und ansonsten darf es gerne lieber etwas weniger als zu viel sein.

Dankeschön

Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, sind es vor allem die Menschen, die mir begegnet sind, die alles möglich gemacht haben. Viele der Bands, mit denen ich angefangen habe, gibt es heute nicht mehr. Manche haben sich aufgelöst, andere pausieren – und das macht mich ehrlich gesagt oft traurig. Es war eine ganz eigene Zeit, die mich geprägt hat und die so nie wiederkommen wird. Aber mit jedem Ende haben sich auch neue Türen geöffnet. Neue Gesichter, neue Freundschaften, neue Wege.


Ich bin unglaublich dankbar für all die Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben – ob kurz oder lang, laut oder leise. Für alle, die mich unterstützt, inspiriert, motiviert und an mich geglaubt haben. Und natürlich für alle, die Konzertsucht über all die Jahre mitverfolgt, geteilt oder einfach still mitgelesen haben. Ohne euch wäre das alles nicht das, was es heute ist.

 

Und nicht zuletzt: Danke an mich selbst. Dafür, dass ich drangeblieben bin. Auch dann, wenn’s anstrengend war. Auch dann, wenn ich gezweifelt habe. Zehn Jahre Konzertsucht – das fühlt sich ganz schön verrückt an. Aber irgendwie auch genau richtig.

Mein Stil im Laufe der Zeit

Am 17. Oktober 2015 war ich beim Blackout-Problems-Konzert im Underground in Köln. Ich wusste damals noch nicht, wie sehr dieser Abend mein Leben beeinflussen würde. Nach dem Konzert kam ich mit Makeda von der Band Steal a Taxi ins Gespräch. Sie bestärkte mich darin, mein eigenes Ding zu machen – eine eigene Webseite aufzubauen und das mit den Konzerten weiter durchzuziehen. Am nächsten Tag saß ich am Laptop und habe die Seite Konzertsucht erstellt. Ohne Plan, aber mit ziemlich viel Motivation. Dass daraus mal so ein großes Kapitel meines Lebens werden würde, hätte ich damals sicher nicht gedacht. Hier noch mit Digitalkamera unterwegs und ohne großartiges Equipment.


2016 - Heisskalt

2017 - Smile And Burn

2018 - Leoniden


2019 - ZSK

2020 - Radio Havanna

2021 - Radio Havanna


2022 - Royal Republic

2023 - ZSK

2024 - WIZO


2025 - Ratsalad

Mein Stil hat sich seitdem oft verändert, nicht nur fotografisch, sondern auch in der Haltung. Am Anfang wollte ich alles mitnehmen, jede Band, jedes Festival, jeden Moment. Heute geht es mir mehr darum, Dinge bewusst zu tun – nicht, um möglichst viel zu machen, sondern das Richtige. Aus dem spontanen Blog wurde über die Jahre mein fester Begleiter, mein Rückzugsort, mein Ventil. Und auch wenn sich vieles verändert hat: Dieser Abend im Underground war der Anfang von allem.

 

Am meisten habe ich aber wohl während der Corona-Zeit vor meinem PC gesessen und unzählige Stunden damit verbracht, meinen Bearbeitungsstil so zu verfeinern, dass er noch mehr mir entspricht und meinen Bildern einen klareren Wiedererkennungswert gibt.


Kein Ende

Zehn Jahre Konzertsucht – das klingt nach einer Ewigkeit, und trotzdem fühlt es sich an, als wäre alles erst gestern gewesen. In dieser Zeit hat sich so viel verändert – in der Szene, in der Musik, in mir. Ich habe gelernt, dass Erfolg nicht davon abhängt, wie viele Shows man fotografiert oder wie viele Follower man hat, sondern wie sehr man sich selbst in dem wiederfindet, was man tut.


Ich bin dankbar für jede Bühne, jedes vertraute Gesicht, jede Stunde auf der Autobahn und jedes Bild, das geblieben ist. Manche Menschen und Bands sind gegangen, neue sind dazugekommen – und auch wenn das manchmal weh tut, öffnet es immer wieder neue Türen.


Konzertsucht war nie einfach nur ein Projekt, sondern ein Teil von mir. Und vielleicht ist es das Schönste daran: dass es nie um Perfektion ging, sondern darum, echte Momente festzuhalten – für andere, aber vor allem für mich selbst.

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